Vertrauensverhältnis

Arzt-Patienten-Beziehung im Schatten der Gesundheitsökonomie

Foto: fotolia.com/ Alexander Raths
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Die Freie Ärzteschaft steht für ärztliche Heilkunde im Sinne des Einlassens auf die heterogene Lebenswelt von nicht normierbaren Individuen. Diese haben ihren Arzt als Vertrauensperson frei gewählt – das ist primäres Patientenrecht. Dem steht allerdings das Sachleistungssystem mit Trivialisierung und Konsum des ärztlichen Angebots gegenüber.

Mangels jedweder Transparenz hinsichtlich Wert, Kosten und Vorhandensein ärztlicher Ressourcen hat der Staat aus erwachsenen Bürgern betriebswirtschaftlich steuerbare „Leistungsempfänger“ gemacht. Mit fatalen Folgen: In dem politisch getriggerten Glauben, medizinische Leistungen unbegrenzt in Anspruch nehmen zu können, forcieren die Bürger ungewollt den Niedergang eines der weltweit besten Gesundheitssysteme.

Aus dieser Konstellation resultiert eine Fehlorientierung von Arzt und Patient, die notdürftig zum Gegenstand sekundärer Patientenrechte gemacht wird. Statt die Heilung in den Vordergrund zu rücken – was funktionieren sollte –, wird zunehmend bestraft, was fortlaufend als Kollateralschaden einer falsch ausgerichteten Gesundheitspolitik entsteht. Heute beherrschen Ökonomie und materielle Zielvorstellungen das Gesundheitswesen. Abwegige monetäre Steuerungsinstrumente, Vorenthaltung gerechter Honorare und eine permanente Drohung mit Haftung und Regress für die Krankheitslast der Bevölkerung limitieren den Arzt zunehmend darin, die Patienteninteressen wahrzunehmen.

Das Primat der „Kostendämpfung“ wird dabei der Bevölkerung als „Qualitätssteigerung“ vorgegaukelt. Es ist die Blaupause zur Schleifung traditioneller Arzt-Patient-Beziehungen, die bislang oft lebenslange Begleitung bedeuteten und damit eine tragfähige Bindung für die ärztlich notwendigen Maßnahmen.

Die Freie Ärzteschaft setzt sich für die professionelle Ausübung der ärztlichen Heilkunde ein – fachliche Qualifikation, langjährige Erfahrung und Empathie geben hierfür die wichtigste Orientierung. Dabei bildet die freie, eignergeführte Arztpraxis die strukturelle Keimzelle des flächendeckenden, vernetzten ambulanten Angebots ärztlicher Diagnostik und Therapie. Hierauf, verbunden mit freier Arztwahl, gründet sich die auf erarbeitetes Vertrauen fußende individuelle Arzt-Patient-Beziehung. Persönlich verantwortete, umfassende Schweigepflicht schützt die verletzlichen gesundheits- und erbgutbezogenen Geheimnisse der Kranken in einer dramatisch expandierenden Datenwelt.

Dr. Axel Brunngraber, Stellvertretender Vorsitzender der Freien Ärzteschaft

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