Online-Anschluss von Arztpraxen

Fallen Sie nicht auf Lockangebote der Industrie herein!

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Die Freie Ärzteschaft warnt niedergelassene Ärzte davor, ihre Praxen an die Telematikinfrastruktur anzuschließen und auf die Frühbucherangebote der Industrie einzugehen. „Wir sollten erstmal abwarten, ob das Pleitenprojekt elektronische Gesundheitskarte nach der Bundestagswahl überhaupt weitergeführt wird“, sagt FÄ-Vize Dr. Silke Lüder.

Seit 2006 gibt es hehre Versprechungen zum angeblichen Nutzen der eGK. Sie sollte Leben retten, elektronische Rezepte, Notfalldatensätze, Organspende-Erklärungen sollten auf der Karte stehen, alle Krankheitsdaten jedes Menschen lebenslang mithilfe der eGK zentral gespeichert werden. Elf Jahre später wird das ganze peinliche Scheitern offensichtlich. Aus führenden Kreisen der gesetzlichen Krankenkassen kommt immer lautere Kritik an dem Pleitenprojekt. Die Freie Ärzteschaft gehört seit 2004 zu den Kritikern dieses unsinnigen Projekts. Und wir sehen: Die Geschichte gibt uns recht.

Onlineanschluss erneut verschoben!

Bereits wenige Tage nach dem von Minister Gröhe verkündeten Start des Online-Rollouts musste dieser den Zeitpunkt des Zwangsanschlusses aller Arztpraxen an die zentrale Kasseninfrastruktur auf Ende 2018 verschieben. Die Konnektoren für den Onlineanschluss sind bis heute nicht für den Realbetrieb zugelassen, der bisher einzige Anbieter CompuGroup Medical kann frühestens im Herbst 2017 liefern.

Fallen Sie nicht auf Lockangebote der Industrie herein!

Daher warnen der Vorstand der KV Hessen und anderer KVen davor, jetzt die vermeintlichen „Frühbucherangebote“ der Industrie zu unterschreiben. Auf Drängen der Industrie sollen die Kolleginnen und Kollegen Verträge für knapp 4000 Euro unter-schreiben, da man sonst Gefahr laufen würde, die in diesem Quartal geltende Förderung nicht zu bekommen – Mondpreise für die Übernahme der Verwaltungstätigkeit der Krankenkassen, die die Ärzteschaft seit Jahren ablehnt. Niemand sollte jetzt auf diese unseriösen „Angebote“ hereinfallen, mit denen sich IT-Firmen gesundstoßen wollen.

„Gesundheitskarte vor dem Aus“

So titeln die Medien gerade bundesweit – das Projekt ist unsinnig, teuer und gefährlich. Es gibt keinen Grund für Ärzte, jetzt Lockangebote zu unterschreiben, die lediglich dem Renditebegehren der Industrie dienen. Ob das Pleitenprojekt nach der Bundestagswahl überhaupt weitergeführt wird, sollten wir erst mal abwarten! Sanktionen sind, wenn überhaupt, erst ab 2019 zu befürchten.

Medikationsplan, Videosprechstunde, Terminservicestelle – eine Chronik des Scheiterns

Haben Sie schon einmal aus einer Klinik neue Medikationspläne mit CR-Code bekommen? Nein? Wir auch nicht. Wer wird als Ein-Euro-Jobber diese Pläne erstellen, wer soll für
4,70 Euro eine Videosprechstunde in der Praxis installieren, wenn schon die Hälfte des Geldes an die IT-Industrie wandert? Wer nutzt die Terminservicestelle für Facharzt-termine? Fast niemand. Gröhes falsche Rezepte sind alle gescheitert.

Zuwarten heißt jetzt die Devise!

Wir empfehlen Ihnen gelassenes Zuwarten. Keine Praxis verliert dadurch irgendetwas. Wir bleiben mehr denn je bei unserer ärztlichen Kritik an dem staatlichen Mammut-projekt. Niemand kann zentral gespeicherte Krankheitsdaten von 80 Millionen Bürgern schützen. Sinnvoll ist eine moderne Kommunikation von Punkt zu Punkt, sicher verschlüsselt, und die Daten müssen in der Hand von Ärzten und Patienten bleiben. Nicht in der Hand der Krankenkassen, nicht in der Hand des Staates und auch nicht in der Hand von Hackern.

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