Pressemitteilung vom 30.08.2018

FÄ-Chef Dietrich: „Ärzte werden sich zunehmend aus der Kassenmedizin verabschieden“

FÄ-Chef Dietrich

Mit dem jüngsten Honorarergebnis und dem geplanten Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) werden sich niedergelassene Ärzte verstärkt aus der Kassenmedizin zurückziehen. Das prognostiziert die Freie Ärzteschaft (FÄ) angesichts der aktuellen gesundheitspolitischen Entwicklungen. „Viele Ärzte werden Wege suchen und finden, um mit der weiter zu erwartenden deutlichen Verschlechterung der Rahmenbedingungen für Vertragsärzte umzugehen, und dabei der Kassenmedizin auf verschiedene Weise den Rücken kehren“, sagte FÄ-Vorsitzender Wieland Dietrich am Donnerstag in Essen.

Nach Einschätzung des FÄ-Chefs werden Ärzte künftig mehr privatärztliche und weniger kassenärztliche Leistungen anbieten, frühzeitiger ihre Praxen aufgeben oder ausschließlich privatärztlich tätig sein. Auch eine Teilrückgabe der Kassenzulassung sei möglich, ebenso der Verzicht auf diverse Genehmigungen für kassenärztliche Leistungen. Denn die in vielen Bereichen ohnehin schon desolate Honorarsituation wird sich durch die unzureichende aktuelle Honorarerhöhung von 1,58 Prozent verschärfen. „Diese Steigerung wird von der Inflation aufgefressen, sie fängt die steigenden Praxiskosten – besonders bei unserem Personal – nicht ab“, betont Dietrich. „Gute und bedarfsgerechte Kassenmedizin ist damit künftig noch weniger machbar.“

Außerdem enthalte das TSGV zahlreiche Elemente, die den Einstieg in ein verstaatlichtes, planwirtschaftliches Gesundheitswesen bedeuten. „Die Ausdehnung der Zuständigkeit der Terminservicestellen und die Verpflichtung zu einem Terminmanagement mittels Praxissoftware sind erhebliche Eingriffe in die Praxisautonomie. Das hat mit Freiberuflichkeit von Vertragsärzten nichts mehr zu tun. Das kommt vielmehr einer anonymen Zwangsbewirtschaftung gleich, die die realen Bedürfnisse der Patienten und die Möglichkeiten der einzelnen Praxis gar nicht kennt “, kritisiert der FÄ-Chef.

Zudem habe sich bereits gezeigt, dass die Terminservicestellen ineffizient und teuer sind: Die Vergabe jedes Termins koste etwa 50 Euro. „Bislang“, so Dietrich, „haben die Praxen hocheffizient und sachgemäß je nach Indikation und Dringlichkeit des Patientenanliegens Termine vergeben. Das kann eine Terminservicestelle aufgrund des fehlenden fachlichen Hintergrunds überhaupt nicht leisten. Viele Vertragsärzte werden in Anbetracht der vorgesehenen Planwirtschaft den Sinn ihrer Tätigkeit als Vertragsarzt deshalb zunehmend infrage stellen.“ Dies zeige sich bereits jetzt bei der breiten Ablehnung einer Zwangsanbindung der Praxen an eine Telematikinfrastruktur, die als unsachgemäß, gefährlich und teuer eingestuft werde.


Über die Freie Ärzteschaft e.V.

Die Freie Ärzteschaft e. V. (FÄ) ist ein Verband, der den Arztberuf als freien Beruf vertritt. Er wurde 2004 gegründet und zählt heute mehr als 2.000 Mitglieder: vorwiegend niedergelassene Haus- und Fachärzte sowie verschiedene Ärztenetze. Vorsitzender des Bundesverbandes ist Wieland Dietrich, Dermatologe in Essen. Ziel der FÄ ist eine unabhängige Medizin, bei der Patient und Arzt im Mittelpunkt stehen und die ärztliche Schweigepflicht gewahrt bleibt.

Pressekontakt: Tel.: 0176 49963803, E-Mail: presse@freie-aerzteschaft.de

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